Ludi Romani – Tafeltexte
Einführung
Reise mit uns in die ferne Vergangenheit. Keine Geschichten über Kaiser und Kriege, sondern etwas viel Spannenderes: römisches Spielen. Schau dich um, finde die Antwort auf die Frage: „Hat sich in diesen 2000 Jahren viel verändert?“ … und mach einfach mit!
Eines ist sicher: Spielen ist zeitlos und für jedes Alter geeignet.
VIA (Lateinischer Name für Straße)
“Kommst du draußen spielen?”
[TAFEL 1]
Zitat: „Die Jungen haben dir purpurne Zügel angelegt, ein Bock, und ein Halfter um deine haarige Schnauze; so trainieren sie dich um den Tempel des Gottes in Wagenrennen (…)“ (Anyte, Anthologia Palatina 6,312)
Welche Spiele spielst du gern draußen auf dem Spielplatz oder im Jugendverein? Verstecken, Ballspiele, Murmeln oder Schaukeln…? Lustigerweise spielten römische Kinder das auch! Viele unserer Lieblingsspiele sind tatsächlich Tausende von Jahren alt.
Woher wissen wir das? Antike Texte, Figuren, Fresken, Mosaike und sogar Verzierungen auf Vasen zeigen, wie römische Kinder spielten. Und manchmal finden Archäologen sogar échtes Spielzeug im Boden – von Murmeln bis zu Puppen.
STELL DIR VOR: Du spielst vielleicht einen berühmten Fußballer oder Radrennfahrer, aber römische Kinder spielten Gladiatoren. Während die Erwachsenen spannende Kämpfe in der Arena verfolgten, kämpften die Kinder draußen ihre eigenen „heldenhaften Schlachten“.
[Bildunterschrift:] Kohlezeichnungen von Kindern, Casa del Cenacolo Colonnato, Pompeji, 1. Jahrhundert n. Chr. Die Zeichnungen zeigen Szenen römischer Gladiatoren.
[TAFEL 2]
SPIELEN OHNE SPIELZEUG
Auch ohne Spielzeug konnte man Spaß haben
Kinder spielten einfach miteinander! Man denke nur an gegenseitiges Huckepack, Verstecken, Fangen oder Blindekuh.
Reitspiele
Die Römer nannten diese Spiele Ephedrismos. Manchmal warf der „Reiter“ einen Ball und versuchte, ein Ziel zu treffen. In einer anderen Variante hielt er dem „Pferd“ die Augen zu und gab Anweisungen: links, rechts, vorwärts! Das sorgte für viel Gelächter.
Blindekuh
Bei Blindekuh wurde einem Spieler die Augen verbunden. Er wurde im Kreis gedreht und musste dann versuchen, die Anderen zu finden. Nicht durch Sehen, sondern durch Hören, Fühlen und Tasten. Spannend!
[Bildunterschrift „Blindekuh“:] Detail eines Freskos in einem Grabmal an der Via Portuense. Quelle: Editions Gallimard, Paris.
Ratten und Raben
In der Jugendgruppe oder im Sportverein spielt man vielleicht das Fangspiel „Ratten und Raben“. Wissenswertes: auch Römische Kinder spielten so ein Spiel! Nur nannten sie es dies et nox, was „Tag und Nacht“ bedeutet.
[TAFEL 3]
AUSSENSPIELZEUG
Spielzeugschwert Vindolanda
Vielleicht habt Ihr auch so etwas zu Hause: Kegel, Murmeln, ein Jojo, Bälle oder ein Spielzeugschwert! Oder wie wäre es mit einer Schaukel oder einer Wippe zum Spielen?
[Bildunterschrift Holzschwert:] Holzschwert, 1.–2. Jahrhundert n. Chr., Fundort: Valkenburg, Süd-Holland, Sammlung und Foto: RMO, Leiden
[Bildunterschrift: Wippe:] Mädchen springen auf einer Wippe. Zeichnung nach einem Detail einer antiken griechischen Vase. Quelle: Gemeinfrei.
Fangsteine-Spiel
Eltern und Großeltern kennen wahrscheinlich Kreisel und Knöchelchen. Beim Knöchelchenspiel wirft man die Fangsteine in die Luft und versucht, sie schnell mit dem Handrücken aufzufangen.
[Bildunterschrift Junge mit Fangsteine:] Junge mit Fangsteinebeutel aus Terrakotta, 4. – 2. Jahrhundert v. Chr., Fundort: Tanagra, Böotien, Griechenland, Sammlung und Foto: KMKG, Brüssel. Murmelspiel
Manche Murmelspiele wurden sogar mit Nüssen gespielt. Sie rollen und springen in alle Richtungen. Das macht das Spiel besonders überraschend und super lustig!
[Bildunterschrift Nüsse:] Kinder spielen mit Nüssen. Detail eines Kindersarkophags, ca. 275–300 n. Chr. Vatikanische Museen, Galleria Pio Clementino. Quelle: Gemeinfrei, Wikipedia.
[TAFEL 4]
WUSSTEST DU, dass viele Ballspiele, die du heute spielst, eigentlich uralt sind? Auch römische Kinder liebten sie.
[Bildunterschrift Bikini-Mädchen:] Mädchen spielen mit einem Ball, Detail eines Mosaiks in der Villa Piazza Armerina in Sizilien. Quelle: Gemeinfrei, Wikipedia.]
BALLSPIELE
FOLLIS eine Art Volleyball, aber ohne Netz.
TRIGON man wirft sich den Ball zu, ohne dass er den Boden berührt. Gespielt wurde in Dreiergruppen.
BOCCIA ähnelt sehr Pétanque oder Boule.
HARPASTUM ein wildes, schnelles Spiel, das ein bisschen an Rugby erinnert. Rennen, Schieben, Ziehen…
IACTUS PILAE der Versuch, den Ball so weit wie möglich zu werfen.
SPIELEN MIT TIEREN
Römische Kinder lebten inmitten von Tieren. Sie spielten mit Hunden, Katzen und Vögeln und erfanden die lustigsten Geschichten über sie. Kein Wunder also, dass Tiere oft in ihrem Spielzeug wiederkehren!
Kinder spielten nicht nur Gladiatoren, sondern veranstalteten auch Wagenrennen. Auf Bildern sieht man sogar kleine, von Schafen oder Gänsen gezogene Wagen. WER WÜRDE GEWINNEN?
[Bildunterschrift: Gänse:] Detail eines Mosaiks in der Villa Piazza Armerina in Sizilien. Quelle: Gemeinfrei, Wikipedia.
FABRICA (Lateinisch für Laden)
Nicht zum Spielen gedacht
[TAFEL 1]
Zitat: “ (…) wie die von den Puppenmachern für den Markt hergestellten Gegenstände, außen rot und blau gefärbt, aber innen aus Ton (…)“
(Lucianus, Lexiphanes 22)
Die Römer hatten keine Spielzeugfabriken wie wir. Und Plastik gab es auch noch nicht. Zum Glück konnte man Spielzeug auch aus anderen Dingen herstellen!
Draußen fanden sie alles zum Spielen: Kieselsteine, Walnüsse, Muscheln und Äste. Mit einem Stock zeichneten sie einfach ihr Spielbrett in den Sand. Mit ein bisschen Fantasie wurde alles zum Spielzeug!
Eltern oder handwerklich begabte Kinder bastelten auch selbst Spielzeug aus Resten. Alte Kleidung wurde zu Stoffpuppen. Holzreste wurden zu einem Spielbrett oder einem Holzpferd.
[Bildunterschrift mit Leder und Maus:] Maus aus Vindolanda, aus einem Lederrest gefertigt, 105–130 n. Chr., Fundort: Birdoswald, England, Sammlung: Birdoswald, The Vindolanda Trust.
[TAFEL 2]
DER SPIELZEUGLADEN
Römische Handwerker fertigten in ihren Werkstätten die schönsten Spielzeuge an, und zwar mit speziellem Werkzeug. Wer später selbst Spielzeugmacher werden wollte, musste zunächst bei einem wahren Meister in die Lehre gehen – üben, beobachten, ausprobieren und immer wieder ausprobieren.
Schuhmacher, Glasbläser, Zimmerleute, Bronzegießer, Töpfer, Knochenbearbeiter und Schmiede verwendeten alles, was sie finden konnten: Lederreste, Glas, Holz, Bronze, Blei, Zinn, Ton, Knochen und Eisen. Aus all diesen Materialien stellten sie Würfel, Spielfiguren, Puppen und kleine Spielzeugtiere her.
Besonders die Töpfer waren blitzschnell. Mit praktischen Gussformen konnten sie dasselbe Spielzeug immer wieder herstellen. So erhielt fast jeder das gleiche Stück – im Grunde genau wie heute, nur eben vor 2000 Jahren.
[Bildunterschrift Gussform:] Terrakottaform zur Herstellung eines Tieres. Trier, 3.–4. Jahrhundert n. Chr., Sammlung: Kaiserthermen Trier, Inv.-Nr. ST 14751, Foto: Ester Schraven.
Sehr schick!
Wohlhabende Römer prahlten gern. Sie kauften Würfel und Spielfiguren aus Silber, Bernstein oder Kristall. Sehr schick!
[Bildunterschrift Würfel:] Würfel aus Bergkristall mit Blattgoldeinlagen, 1.–2. Jahrhundert n. Chr., Fundort: Nijmegen, Sammlung: Valkhof Museum, Archäologisches Depot Gelderland, Foto: Valkhof Nijmegen.
WUSSTEST DU DAS die Werkstatt war gleichzeitig der Laden. Sie konnten zusehen, wie die Spielzeuge hergestellt wurden … und sie dann mit nach Hause nehmen!
[TAFELN 3 und 4]
VOM TIER ZUM SPIELZEUG
Rinder und Schafe lieferten weit mehr als nur Fleisch. Aus Tierhäuten wurde Leder hergestellt, Knochen und Hörner zu Gebrauchsgegenständen, Wolle zu Textilien und Milch zu Käse. Sogar Spielzeug wurde aus tierischen Materialien gefertigt. Kannst du erkennen, welche Teile von Kuh und Schaf dafür verwendet wurden?
TABERNA (Lateinischer Name für Café)
“Für Spieler, die Ihre Schlafenszeit selbst bestimmen”
[TAFEL 1]
Zitat: “Spielt tausend Spiele! Nicht in der Lage zu sein, Herzen zu erobern, ist eine Schande, denn dort beginnt das Spiel der Liebe “ (Ovid, Ars Amatoria, Buch III, 367–368)
Willkommen in der Taberna, dem römischen Café! Hier trafen sich vor allem Erwachsene, um etwas zu trinken, zu essen und zu spielen.
Manche Brettspiele ähneln vielleicht Spielen, die du kennst. Schließlich sind viele römische Spiele die Vorfahren heutiger Partyspiele. Strategische Brettspiele waren besonders beliebt. Man fand sie überall: in Cafés, Badehäusern, Armeelagern und sogar zu Hause. Und gute Neuigkeiten: Du kannst einige davon gleich hier selbst ausprobieren!
Die Römer liebten auch Würfel- und Glücksspiele. Das lief nicht immer fair … und konnte manchmal Probleme verursachen.
Würfel konnten sich stark voneinander unterscheiden. Neben dem Standardwürfel gab es Knöchelwürfel, Würfel mit römischen Ziffern bis 1000, rechteckige Würfel bis 4 und sogar 20-seitige Würfel, die über das Schicksal entschieden.
Letztere kann man sogar wörtlich nehmen: Sowohl Knöchelwürfel als auch 20-seitige Würfel wurden zur Wahrsagerei verwendet. Die Zahlen bezogen sich auf Orakelsprüche in speziellen Schriftrollen für Wahrsager. Kampf auf dem Spielbrett
[Bildunterschrift 20-seitiger Würfel:] W20-Würfel, griechisch-römisch, Sammlung: Musée du Louvre, Paris, Foto: GrandPalaisRmn (Musée du Louvre), Tony Querrec.
[Bildunterschrift anthropomorphe Würfel:] Silberner Würfel in Form einer kauernden Figur, 1.–2. Jahrhundert n. Chr., Sammlung: British Museum, London.
[TAFEL 2]
KÄMPFE AUF DEM BRETT
TRIS Das einfachste Brettspiel. Es ähnelt „OXO“ oder „Tic-Tac-Toe“.
MINI-KRIEGE AUF DEM BRETT Man versuchte, sich gegenseitig auszutricksen, Spielsteine zu erobern und das „Schlachtfeld“ zu gewinnen. Dame und Schach entwickelten sich später aus dieser Spielart.
MÜHLSPIELE In den einfachen Versionen musste man nur drei Steine in einer Reihe bilden. In den größeren Spielen konnte man mit jedem Mühlenwurf einen Stein des Gegners schlagen – bis jemand keine Steine mehr hatte.
PFERDERENNEN Dies war mit dem Rennspiel Tabula oder einer Art Murmelbahn möglich.
BEREIT FÜR DEN START?
[Bildunterschrift Murmelbahn:] Steinmurmelbahn mit Szenen eines Wagenrennens. Diese Maschine hat sieben diagonale Bahnen für die Kugeln, 500 n. Chr., Standort: Hippodrom von Konstantinopel (Istanbul), Sammlung: Bode Museum, Berlin, Foto: bpk / Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst, SMB / Antje Voigt.
[TAFEL 3]
GLÜCK BEIM SPIEL
Die Römer liebten das Glücksspiel. Sie wetteten Geld auf Gladiatorenkämpfe und Pferderennen, aber genauso viel auf Brett- und Würfelspiele. Wer etwas mehr Glück gebrauchen konnte, bat Fortuna, die Göttin des Glücks, um Hilfe. Andere versuchten, durch Betrug zu gewinnen… und das führte oft zu Streit!
Manchmal geriet das Glücksspiel so außer Kontrolle, dass der Kaiser es vorübergehend verbot, doch die Spieler ließen sich nicht so leicht abschrecken! Indem sie das Spielbrett als Speisekarte tarnten, konnte das Tabula-Spiel weiterhin in Tavernen gespielt werden. Wie man sieht: selbst die strengen kaiserlichen Regeln konnten sie nicht aufhalten.
[Bildunterschrift Steinspielbrett:] Ein als Speisekarte getarntes Steinspielbrett. Die zwei Spalten mit je drei sechsbuchstabigen Wörtern bilden das Spielbrett, wobei jeder Buchstabe ein Spielfeld darstellt.
ÜBERSETZUNG:
Es gibt / Zum Abendessen /
Huhn/Fisch
Schinken/Pfau
Wild oder „Die Jäger“ (Name der Taverne)
Betrug
Manche Spieler benutzten gefälschte Würfel mit einem versteckten Gewicht. Um dies zu unterbinden, erfanden die Römer einen Würfelturm. Der Würfel rollte und sprang so wild, dass das Gewicht das Ergebnis nicht mehr beeinflusste.
[Bildunterschrift Würfelturm:] Würfelturm, 370–380 n. Chr., Fundort: Villa Vettweiß-Froitzheim, Deutschland, Sammlung: LVR-LandesMuseum, Bonn, Foto: Jürgen Vogel.
ÜBERSETZT LAUTET DIE GESTANZTE INSCHRIFT:
Benutzt ihn und lebt glücklich!
Die Pikten sind besiegt,
der Feind vernichtet,
spielt sorglos!
[TAFEL 4]
PARTYPIELE
Für die Römer war Spaß ein wesentlicher Bestandteil einer Feier. Knobelspiele? Nicht nötig! Sie hatten unzählige verrückte Spiele, die vor allem dem Vergnügen dienten.
Es begann schon beim Betreten: Man erhielt eine kleine Puppe in Form eines Skeletts. Damit wollten sie sagen: „Viel Spaß, das könnte eure letzte Party sein!“
Ziemlich gruselig, aber hauptsächlich dazu gedacht, alle zum Lachen zu bringen.
[Bildunterschrift Miniaturskelett:] Bronzenes Miniaturskelett, römisch, Sammlung: Science Museum Group Collection, Foto: The Board of Trustees of the Science Museum.
Wohlhabende römische Männer lagen während des Banketts auf einer Art Sitzgelegenheit. Beim Kottabos musste man – im Liegen – versuchen, mit seiner Trinkschale einen Rest Wein auf eine Zielscheibe zu zielen. Verfehlte man das Ziel? bekam man eine Aufgabe: ein Lied singen, tanzen oder etwas anderes, was sich die anderen ausdachten. Je verrückter, desto besser.
[Bildunterschrift Mann mit Schale:] Spieler des Kottabos-Spiels. Abbildung auf einer rotfigurigen attischen Schale, ca. 500 v. Chr., Sammlung: Königliche Museen für Kunst und Geschichte, Brüssel, Foto: CC BY – SA 4.0. ImageStudio KMKG Brüssel.
NARRENBECHER
Und dann gab es noch die Scherzkeramik: eine Öllampe, die ohne Öl weiterbrannte, oder einen Becher, der – wenn er zu voll war – plötzlich komplett leer wurde … direkt auf die Kleidung! Die Römer liebten offensichtlich einen guten Scherz.
[Bildunterschrift Prinzip des pythagoreischen Bechers:]
- Querschnitt
- Der Becher kann bis zu einem bestimmten Niveau gefüllt werden.
- Wird der Becher aber weiter gefüllt,
- dann leert er sich vollständig.
DOMUS (Lateinischer Name für Wohnung)
“Später, wenn ich groß bin …”
[TAFEL 1]
Zitat: (…) Wir waren noch jung und mit den Puppen beschäftigt, unbeschwert spielten wir „Hausfrau“. (Erinna)
Im römischen Wohnzimmer ging es meistens ruhig zu. Die Kinder spielten dort mit Spielzeug, das der realen Welt der Erwachsenen ähnelte: Puppen und Puppenmöbel, Miniatur-Teeservices, Spielzeugtiere und kleine Wagen. So bauten sie sich ihre eigene Miniaturwelt, ganz nach ihren Wünschen.
Doch Spielen war nicht nur Vergnügen. Während sie spielten, übten die Kinder bereits für die Zukunft. Mädchen lernten, Puppen zu pflegen und einen Haushalt zu führen. Jungen spielten mit Miniaturtieren, Wagen oder Waffen. So lernten sie Schritt für Schritt, was später im Leben von ihnen erwartet wurde.
[Bildunterschrift: Hahn auf Rädern:] Hahn auf Rädern aus Terrakotta. Türkei, 4.–3. Jahrhundert v. Chr., Sammlung und Foto: RMO, Leiden. Inv.-Nr. I 2008/9.11.
[TAFEL 2]
PUPPEN FÜR ALLE
Wusstest du, dass römische Kinder eine große Auswahl an Puppen besaßen? Die meisten Puppen ähnelten erwachsenen Frauen – Babypuppen gab es, soweit wir wissen, kaum oder gar nicht. Für Mädchen waren diese Puppen ein Vorbild: So „sollte“ eine römische Frau aussehen.
Stelle dir vor: Wenn ein Mädchen alt genug zum Heiraten war, musste sie ihre Puppen zum Tempel bringen.
Könntest du das? Einfach so dein Lieblingsspielzeug weggeben? Sie tat es in der Hoffnung auf eine glückliche Ehe.
[Bildunterschrift Knochenpuppe:] Knochenpuppe aus Voorburg, 150–175 n. Chr., Sammlung: Nationalmuseum für Altertümer, Leiden, Foto: Nationalmuseum für Altertümer, Leiden, Inv.-Nr. h 1929/3.24.
WELCHE PUPPE GEFÄLLT DIR AM BESTEN? Eine elegante Puppe mit Juwelen oder eine mutige Gladiatorenfigur?
[Bildunterschrift Puppenbeine:] Elfenbeinpuppe mit beweglichen Armen und Beinen. Rom, I. 30 cm, Severerzeit (193–235 n. Chr.), Sammlung: Palazzo Massimo alle Terme, Inv.-Nr. 262725. Bildnachweis: Ryan Baumann, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons.
[Bildunterschrift Gladiator:] Miniatur-Gladiator aus Terrakotta mit beweglichen Armen, 1. Jahrhundert n. Chr., Fundort, Sammlung und Foto: Baelo Claudia, Spanien.
[TAFEL 3]
ARME PUPPE VS. REICHE PUPPE
LUXUSPUPPEN
Es gab einfache Puppen aus Stoffresten, aber auch überaus luxuriöse Exemplare aus Knochen oder gar Elfenbein. Manche wurden mit einer kompletten Aussteuer geliefert: Miniatur-Haushaltsgegenstände, kleine Kleider und sogar winzige Schmuckstücke.
FRISUREN
Selbst die Frisuren der Puppen folgten der Mode. Durch den Vergleich mit Statuen von Kaiserinnen lässt sich heute oft genau bestimmen, aus welcher Epoche eine Puppe stammt.
[TAFEL 4]
BABYSPIELZEUG
Auch römische Babys hatten ihr Lieblingsspielzeug: die Rassel! Das Klingeln beruhigte die Kleinen und fesselte ihre Aufmerksamkeit. Rasseln gab es in allen Formen und Größen. Manche waren einfache Kugeln, die ziemlich laut rasselten. Andere sahen aus wie kleine Tiere oder lustige Figuren.
Welche würdest du wählen?
[Bildunterschrift Taubenrassel:] Terrakotta-Rassel in Form eines Terrakotta-Vogels, Bavay, zweite Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr., © Forum antique de Bavay, musée archéologique du Département du Nord / Bibracte. Foto: Antoine Maillier.
[Bildunterschrift Vogelrassel mit Hörnern:] Terrakotta-Rassel in Form eines Tieres. Das Tier wird als Vogel mit Hörnern interpretiert, möglicherweise ein Huhn oder Hahn. Nijmegen, Sammlung und Foto: Valkhof Museum.
RÄTSEL
Liebst du Herausforderungen? Römische Kinder auch! Sie spielten das Archimedes-Puzzle: ein Spiel mit 14 verschiedenen Teilen. Die Aufgabe? Ein perfektes Quadrat zu legen. Klingt schwierig? War es auch … aber es gab sage und schreibe 536 Möglichkeiten!
Und sobald man ein Quadrat legen konnte, fing der eigentliche Spaß erst richtig an. Dann konnte man mit denselben Teilen alle möglichen Figuren bauen: Tiere, Gegenstände, verrückte Formen … Wie viele fallen dir ein?
UND HEUTE?
HAT SICH IN 2000 JAHREN WIRKLICH SO VIEL VERÄNDERT?
Schau mal genau in diesen Schrank. Siehst du da etwa die modernen Verwandten römischer Spielzeuge? Vielleicht ähneln sie ja deinen eigenen.
Oder hast du Spielzeug, das die Römer noch nie gesehen haben? Wer weiß, vielleicht wären sie ja furchtbar neidisch gewesen.